Strategeme und Strategien des Respekts

Im 2018 erschienen Buch über „Respekt“ haben Sven Pastoors und ich über Strategeme und Strategien des Respekts nachgedacht. Wir haben Strategeme der aktiven Veränderung, der passiven Veränderung, der aktiven Anpassung und der passiven Anpassung unterschieden.

Als Beispiel für passive Veränderung sei auf Nelson Mandela verwiesen, der mit Hilfe von Respekt seiner Situation als Sträfling der Gefangeneninsel Robben Island nicht entkommen konnte, aber die Beziehung zwischen ihm und den Wärtern auch zu einer Beziehung zwischen Lehrer und Schüler ändern konnte.

Gefängnisinsel Robben Island

Der südafrikanische Germanist und Mitstreiter von Nelson Mandela, Neville Alexander (1936-2012), wurde 1963 wegen Hochverrats zu zehn Jahren Gefängnis verhaftet, die er zusammen mit Nelson Mandela auf der berüchtigten Gefängnisinsel Robben Island verbüßte. Die Häftlinge nutzten die Zeit zur eigenen Fortbildung und - so berichtet Alexander - wir lernten „von den Gefängniswärtern, die auf uns aufpassen sollten, dass wir diese Leute befreien konnten. Wir haben uns darangemacht, das Gefängnis in eine Art Universität zu verwandeln, wo alle studierten. Wir haben den Wärtern geholfen, ihre Prüfungen zu bestehen. Für mich war das ein Beispiel dafür, wie wir helfen können, die Unterdrücker zu befreien – ganz praktisch“ (Richter 2006, S. 266).

Zur passiven Strategie passt, dass die Gefangenen die Konfliktursache (Apartheid) nicht unmittelbar beseitigen konnten. Es gelang ihnen aber, die Situation so zu verändern, dass die Machtausübung der Gefängniswärter dadurch neu gerahmt wurde, dass aus Wärtern Schüler und aus Insassen Dozenten wurden. Die Lehr-Lern-Situation ist eine primär kommunikative Situation. Wir erkennen eine zur Anwendung gekommene nicht-zwingende Strategie: Diese besteht darin, dass die Häftlinge die Gefängniswärter darin unterstützen, ein Ziel zu erreichen (Qualifizierung), das diese auf sich selbst gestellt nicht oder mit weniger Erfolg erreicht hätten. Zur Veränderungsstrategie passt, dass die Gefängnisinsassen mit Erfolg versucht haben, ihre Umwelt vom Gefängnis in eine Schule, die sog. Mandela University, zu verwandeln. Ermöglicht wurde der Erfolg durch Kooperation und Empathie. Die Kooperation zwischen den Häftlingen und ihren Aufsehern kam durch wechselseitige Anpassung von Interessen zustande: das Interesse der Häftlinge an einer sinnvoll verbrachten Haftzeit und einer „Befreiung der Gefängniswärter“ sowie das Interesse der Wärter am Bestehen ihrer Prüfungen. Die Erfolgsvoraussetzung für die gelingende Kooperation war die Empathie der Gefangenen. Hätten die Gefangenen in den Aufsehern nicht Menschen, sondern Büttel der feindlichen Staatsmacht (Apartheidregime) gesehen, wäre die Idee einer Gefängnis-Universität jenseits ihrer Vorstellungen gewesen.

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Visionen, Leitbilder und Mission Statements als Instrumente der Führungskommunikation